der feminismus und ich: eine intime beichte

Ich war Anfang 20 und hatte gerade mit dem Studium begonnen. Darauf war ich mächtig stolz. Dieser Hochmut von Studierenden in den ersten paar Semestern, den ich auch heute noch oft beobachten kann. Junge Leute, die sich cool und elitär vorkommen. Wie ich. Die es aus einem Provinznest heraus an die Uni geschafft hatte.

Meine erste Begegnung mit dem Feminismus hatte ich im Rahmen einer Lehrveranstaltung, in der „gegendert“ werden musste. Es war mir lästig, beim Schreiben die männliche und weibliche Form zu verwenden. Rotzgöre und cool wie ich war, bestand ich darauf, dass das nur den Lesefluss störe. Die  Regeln wandte ich nach meinem eigenen Ermessen an. Also gar nicht.

 

emanzen. hässlich und frigide

Meine Studienkolleginnen und ich lachten über „Erz-Emanzen“, wie wir sie nannten. Frauen die sich mit den Gender Studies beschäftigten. In unseren Augen hässlich, frustriert und mit Haaren an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Wir kapierten nicht, wie man sich mit einem solchen Scheiß überhaupt befassen konnte. Außerdem hatten wir Frauen eh alle Rechte. Ganz im Gegenteil – es war doch viel geiler, eine Frau zu sein und damit zu kokettieren! Allein das Weggehen war so um einiges günstiger!

Diese Emanzen waren in meinem Weltbild vor allem unbefriedigt. Denn die wollte doch kein Mann.

So war ich nicht und wollte es auch auf keinen Fall sein!

 

meine karriere als antifeministin

Ich trieb es weit mit meinem Antifeminismus. Auch noch Jahre später. Stolz postete ich Bukowski-Zitate, denn auch ich war der Meinung: Feminismus war ein Ding für hässliche Frauen. Ich bastelte Fotocollagen mit mir als Anti-Feministin, nur um zu zeigen, dass ich nicht zu „denen“ gehörte.

Im Nachhinein betrachtet war meine Coolness eine Sehnsucht: Ich wollte einfach nur attraktiv für Männer sein. Fickbar bleiben, wie man es heute so schön nennt. Und wenn wir nun schon die Fakten auf den Tisch knallen: Ich war einfach ignorant und strunzdumm.

Ich weiß, dass sich das etwas lächerlich liest. Wo es doch erst wenige Jahre her ist. Als wäre ich eine achtzigjährige Frau, die aus ihrer Jugend erzählt. Als wäre es eine andere Welt. Es fühlt sich aber tatsächlich so an.

 

gender studies. was geht das mich an?

Um mein Studium zu beenden legte ich die Diplomprüfung ab. Hier musste ich mich neben meinem Hauptfach für ein weiteres Fach entscheiden. Ich weiß bis heute nicht genau, aus welchen Gründen ich es tat. Aber ausgerechnet ich wählte als Prüfungsfach die Gender Studies.

Ich warf erstmals meine Vorurteile über Bord und begann, mich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich wälzte Grundlagenliteratur und las unzählige Zeitschriftenartikel. Tauchte ein in die Welt des Feminismus. Und irgendwann fühlte es sich an, als hätte ich meine Heimatdisziplin gefunden.

Ich lernte so viel über mich selbst und meine Rolle als Frau. Ich lernte, warum ich unbedingt schön sein wollte. Warum ich so vieles meinen Eltern, Freunden, Männern zuliebe tat, was ich eigentlich gar nicht wollte. Ich lernte, warum ich glaubte, mein Leben wäre selbstbestimmt. Und ich lernte, dass es das überhaupt nicht war.  Ich lernte in dieser Zeit tatsächlich nicht für die Uni sondern für mein Leben.

Und ich schämte mich unglaublich für mich selbst. Für mein früheres Ich. Den Hass auf den Feminismus und die Riesenangst davor, ins Emanzen-Eck gestellt zu werden.

 

warum erzähle ich das alles?

Weil ich diesen Hass auf den Feminismus so oft wiedererkenne. Zum Beispiel in Artikeln wie diesem

Nein – auch ich unterschreibe nicht alles, was der Feminismus sagt. Ich mag keine radikalen Positionen oder männerverachtenden Meinungen und werde beides niemals vertreten. Auch der Feminismus darf sich nicht über gewisse Grenzen hinwegsetzen.

Und meistens kommt Feminismus zu intellektuell daher. Es sieht manchmal so aus, als sei er einer Gruppe von Frauen vorbehalten, die in ihren Kämmerchen forschen. Geheimnisvoll und kompliziert.

Das allerwichtigste, um ein Thema zu verstehen, ist, sich damit auseinanderzusetzen und sich zu informieren.

Daher habe ich heute eine Bitte an euch.

 

an meine leserinnen und leser

Glaubt nicht alles, was euch die Medien präsentieren. Bitte übernehmt nicht blind die Aussagen irgendwelcher Promis und blamiert euch nicht mit Halbwissen.

Informiert euch, bildet euch eine eigene Meinung und hört vor allem auf euer Bauchgefühl!

Dabei möchte ich euch helfen.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie mühsam es ist, sich mit Feminismus auseinanderzusetzen. Ich habe mich durch viele Bücher und Studien gearbeitet. Obwohl ich intelligent, reflektiert und neugierig bin, habe selbst ich viele Begrifflichkeiten und Theorien anfangs schlicht nicht verstanden.

Oft werden in der feministischen Literatur Themen zu Tode theoretisiert und sind daher einfach nur noch realitätsfern.

Ich werde also ein neues Kapitel des Feminismus aufschlagen. Eines für das richtige Leben.

 

neu auf dem blog: pi-pa-politik!

Ich werde auf frauenmut vermehrt verschiedene Beiträge zum Feminismus und den Gender Studies schreiben. In einfacher Form und mit Beispielen und Geschichten aus der Praxis.

Keine Angst – den Humor werde ich nicht aus meinem Blog verbannen!

Denn ich habe die Einstellung, dass ich ein Rollenbild oder Klischee durch ein lustiges oder provokatives Bild oder Video viel besser aufweichen kann als durch einen seitenlangen Roman.

Bei Satire, Ironie und Sarkasmus fühle ich mich einfach zu Hause.

Und auch zum Feminismus gehört es, einmal frech zu sein, laut zu sein, nicht die Klappe zu halten.

 

 

 

Du bist keine Freundin von Klischees und Rollenbildern? Dann findest du hier weitere Beiträge aus der pipapolitik!

 

 

 

foto: autorin

 

 

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