mach den mund auf: JA – ICH MENSTRUIERE!

Es darf nur niemand wissen!

Glücklicherweise leben wir in einer toleranten und aufgeschlossenen Gesellschaft. Außer bei Tabu-Themen!

Sozusagen tolerant mit Ausnahmen. Frau sollte zum Beispiel niemals erwähnen, dass sie gerade „ihre Tage“ hat. Am besten spricht sie überhaupt niemals darüber, dass ihr Körper einem natürlichen Zyklus mit regelmäßigen Begleitsymptomen unterliegt. Schon das Wort „Tage“ ist, vor allem für männliche Gesprächspartner, schlimm genug. (Mein Geheimtipp: Sagt mal Blutungen! )

So genau will ich das nicht wissen!“ ist dabei die höflichste und eindeutige Top Antwort. Wobei – ungenauer geht’s eh nicht mehr! Frau könnte von ihrer hormonellen Achterbahn oder körperlichen Beschwerden berichten. Oder dass sie vor lauter Gefühlchaos nicht weiß, warum ihr plötzlich zum Heulen ist. Oder was sie noch futtern soll. Oder womit sie sich noch abdichten soll. Es wäre legitim und nachvollziehbar, das im intimen Rahmen erzählen zu wollen!

Es gehört zu unserem Leben, ob wir wollen oder nicht. Zudem ist der weibliche Zyklus für uns alle überlebenswichtig. Manche scheinen das eine, wie das andere nicht zu wissen: Grob die Hälfte der menschlichen Erdbevölkerung MENSTRUIERT etwa monatlich. Wenn bloß das Wort „Damentage“ ausreicht, um sich in seiner Intimsphäre verletzt zu fühlen, sollte man möglicherweise sein Verhältnis zum menschlichen Körper und Dasein überdenken. Und jetzt ruft es in die Welt hinaus: JA – ich bin eine Frau und MENSTRUIERE! Das gehört so!“

 

Ich darf euch hiermit Anita vorstellen. Eine meiner liebsten Online-Freundinnen. Mit Anita verbindet mich viel. Nicht nur, dass wir beide menstruieren!

 

Ich lernte Anita vor Jahren über ihren Fanseite kennen, auf der sie nicht sich, sondern ihre Kochkünste präsentiert. Damals wusste ich noch nicht viel über sie. Außer, dass sie vegan und chaotisch kochte. Und anonym!

 

Anita und ich haben uns unabhängig voneinander aber parallel zu Frauen entwickelt, die ihr Ding durchziehen. Und keine Angst mehr vor Konfrontation haben. 

 

Daher freut es mich umso mehr, dass sie die erste ist, die die Wahrheit unverblümt und ganz und gar nicht anonym ausspricht. 

 

Anita ist eine Frau, die sich nicht so schnell aufregt, sehr bedächtig und diplomatisch ist und in ihrer feinen Praxis Menschen hilft, in ihre Mitte zu kommen. Über ihren ungewohnt kampflustigen Text musste ich also erst einmal lachen. Was war denn geschehen?

 

Die Gründe für die Entstehungsgeschichte ließen mich  dann erst recht in lautes Gelächter ausbrechen. 

 

Aber lest selbst: 

 

Anlass für diesen Beitrag war ein ehemaliger Kollege, der Ohrenzeuge eines Gesprächs zwischen mir und einer weiteren Kollegin im Pausenraum wurde.  Auf die Frage, wie es mir geht, antwortete ich: „Beschissen! Damentage!“

Daraufhin war der junge Mann sowas von schockiert und intim betroffen. Wie ich denn dazu käme, DAS laut auszusprechen. Nun kennen doch alle Anwesenden meinen Zyklus und wissen, was sich in meinem Körper gerade abspielt. Ständig müsse er nun daran denken und sich das bildlich ausmalen. Absolut ekelerregend! Außerdem und überhaupt solle ich mich einfach nur schämen, dieses Thema öffentlich zu erwähnen. Sowas gehe doch niemanden etwas an. 

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass besagter Herr ansonsten reges Interesse am weiblichen Geschlecht und mit wilden Eroberungsgeschichten, die ein oder anderen Vagina, versuchte zu beeindrucken. Wie selbige funktionieren und über welche Special Effects sie verfügen, scheint er allerdings nicht zu wissen.“

 

Gibt es denn Möglichkeiten, wie wir mit diesem Thema in Zukunft entspannt umgehen können?

 

Ja! Wir machen es einfach wie Anita: 

 

„Ich sehe es überhaupt nicht ein, mir falsche Scham einreden oder den Mund verbieten zu lassen, wegen etwas, dass ich nicht beeinflussen kann, sondern manchmal sogar mich beeinflusst und von der Natur gegeben ist. Das man einem fernen Bekannten keinen Blutbefund und Hormonstatus mitteilt ist schon klar. Ich betrachte es allerdings als mein Recht zu sagen: „Hey – heute surf ich auf der roten Welle und bin Hormonzilla! Geh mir aus dem Weg!“ Obwohl ich mittlerweile mehr Gefallen an dem „Geheimtipp“ und zugehörigen geschockten Gesichtern finde.“

 

 

 

Du hast auch etwas zu sagen? Brauchst eine Stimme? Dann schreibe mir: pipa@frauenmut.com

 

 

bild: pixabay/kawamaru

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