beautyjunkies und fitnessqueens: die neuen schlechten vorbilder

Sie sind Unternehmerinnen, verkaufen eigene Programme oder haben eigene Produktlinien am Markt.

Sie haben eine Community, für die manche Marketing-Haie töten würden.

Mögen sie einerseits eine Bereicherung für das Leben vieler Frauen sein, ist ihre unreflektierte Rezeption brandgefährlich. Sie suggerieren einen Lifestyle, der von den Lieschen Müllers dieser Welt oft kopiert und nie erreicht werden wird.

es funkelt, es ist sinnlos, du musst es haben!

Sie tarnen sich als Mädchen von nebenan und locken ihre Adressatinnen in die Prinzessinnenfalle. Manche Bloggerinnen und Youtuberinnen verkaufen sich, ihre rosarote Kitschwelt und ihren Traumprinzen gleich mit dazu.

Ich weiß, wovon ich spreche.

Es war einer dieser langweiligen Nachmittage. Im Fernsehen kein unterhaltsames Programm. Schlechtwetter. Wobei ich fürs Rausgehen ohnehin zu faul war. Also surfte ich im Internet und stieß auf diese Bibi Glitzerfunkelfee. Diese Internetsüchtlerei ist echt ein Schwein und so vergingen Stunden um Stunden, in denen ich mir ein Video nach dem anderen reinzog.

Ich saß wie das paralysierte Kaninchen vor der Schlange. Nur, dass die Schlange gar nicht so bedrohlich aussah. Im Gegenteil. Sehr sympathisch. Jung. Blond. Hübsch.

meine neue beste freundin: online

Sie erklärte mir in einem Tutorial, wie man sich am besten schminkt. Ohne Visagistenausbildung. Mit Produkten, die sich jedes Mädchen von ihrem Taschengeld kaufen kann. Sie machte einen auf beste Freundin und bat mich darum, ihr doch ein Like zu hinterlassen. Das Bitten glich mehr einem Betteln, das eine Domina nicht mal von ihrem wohlerzogensten Sklaven erwarten kann.

Es folgten Follow-Me-Arounds und „10-Dinge, die …“-Videos. Erinnert euch: Es war ein langer, langer, verregneter Nachmittag. (Zugegeben, der Regen ist, glaube ich erfunden, aber es geht um die Dramaturgie.)

Dann, ein DM-Haul. Bei solchen Hauls werden in einem Video Produkte vorgestellt, die zuvor eingekauft worden sind.

und da hatte sie mich!

Ich hätte meine Familie verraten und verkauft. So sehr wollte ich den angepriesenen Shimmer-, Shine- oder Was-auch-immer-Lipbalm von Balea um 1,25 Euro.

Doch ich bin hart und standhaft. Reflektiert. Also nahm ich all meine Kraft zusammen und schaffte den Sprung aus Bibis Welt heraus, wieder hinein in die Realität. Vom 12-jährigen Ich hin zum 32-jährigen. Gehirn von Standby zu Betrieb.

Influencerinnen wie Bibi drängen ihre (vielfach minderjährigen) Fans in eine fragwürdige Rolle: Mädchen als ewig unreflektierte und konsumgeile Dummchen. Die nichts schöner und geiler finden, als sich den ganzen Tag damit zu beschäftigen, sich die Haare zu flechten. An Duschgels mit Pfirsichduft zu schnuppern. Dass das Duschgel den Namen der Bloggerin trägt, versteht sich wohl von selbst.

du und stark? erst durch mein programm! 

Dann gibt es Fitnessmodels wie diese Pumping Sophia. Die Frauen stark machen wollen. Wie ihr wisst, das neue Schlank.

Ihre Methode und Botschaft an alle Frauen: „Ich war eine fette Sau, ergo hässlich und Freund hätte ich so ohnehin nie einen gefunden. Du bist eine fette Sau, setze logisch fort! Ein Klassiker, der immer funktioniert: Das Märchen vom hässlichen Entlein, das ein schöner Schwan werden kann.

Alles zielt darauf ab, endlich schlank, sexy und stark (ich kann das Wort in diesem Zusammenhang nicht mehr hören) zu werden. Mental und körperlich. Wobei die mentale Stärke davon abhängt, wieviel Bewunderung frau für ihren verwandelten, neuen Körper bekommt. Während ihrer Transformation specken die Kundinnen massig ab. Und ihre Geldbörsen.

werdet euch eurer verantwortung endlich bewusst!

Ich weiß, dass ich hier mit Vorbildern sehr hart ins Gericht gehe. Ich will mich auch nicht als Moralapostelin aufspielen und den Mädels und Frauen ihren Spaß an ihren Vorbildern vergällen. Ich finde einige von ihnen als Personen durchaus sympathisch und ich weiß, dass grundsätzlich keine bösen Absichten dahinter stecken, vor allem nicht in den Anfängen. Ich bewundere Influencerinnen sehr für ihre Disziplin und für ihre harte Arbeit, die zweifelsohne hinter ihren Projekten steckt.

Mir geht es vor allem darum, dass sich Influencerinnen ihrer Rolle viel bewusster werden müssen. So sehr sie Freundin, Trainerin und unabdingbarer Teil im Leben vieler Mädchen sind und diese auch positiv beeinflussen: Sie arbeiten mit den gefinkeltsten Marketing-Methoden. Sie zeigen Frauen und Mädchen, wie unzulänglich sie sind und dass ein Like, Produkt oder Training das ganze Leben verändern kann. Oder dass man damit Freundschaft kaufen kann. Oder Glück.

Für Influencerinnen gilt also nicht das Motto: „Ich bin nur verantwortlich, für das was ich sage, nicht für das, was du verstehst.“

Ganz im Gegenteil.

Es muss lauten: „Ich bin für das verantwortlich, was ich sage. Was ich vermittle. Was du verstehst. Und was du daraus machst.“

 

 

Du hast auch genug von „tollen Frauen“, die dir vorschreiben, wie du auszusehen hast und dir das Geld aus der Tasche ziehen wollen? pipapolitik ist genauso kritisch wie du! Hier findest du alle Beiträge!

 

 

 

Fotos: pixabay/solda

 

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