tschuuu! tschuuuuuu! der body-positive-zug fährt ein!

Es ärgert mich schon länger. Denn es begegnet mir immer wieder. Im Hintergrund: Die Body-Positive-Bewegung. Versteht mich jetzt richtig! Wer, wenn nicht ich, ist die Verfechterin davon, dass Frauen sich in ihren Körpern (wie sie auch immer aussehen mögen) wohlfühlen sollen und dürfen!

Was mich ankotzt, ist die Scheinloyalität der Frauenmagazine und Unternehmen, die die Body-Positive-Kuh herumschubsen und ausschlachten.

vor kurzem entdeckte ich eine richtige sensation!

Eine dicke Frau im orangefarbenen Einteiler am Titelblatt einer Frauenzeitschrift! Untertitelt wurde der Fakt, dass „so eine“ Frau am Titelblatt ist, mit: „So setzt man ein Zeichen! …“ und begründet mit: „Weil wir 2016 haben!“

Ich war erst mal ratlos und konnte die Pointe nicht erfassen. Weil wir 2016 haben, nehmen wir eine dicke Frau und stecken sie in einen Overall, auf den jede amerikanische Gefängnisinsassin neidisch wäre? Verpassen ihr eine möglichst schreckliche, das Gesicht verdeckende Frisur und weisen sie an, so verwegen wie möglich dreinzuschauen?

Es hat etwas gedauert, bis ich die gar nicht so subtile Message verstanden habe: „Da wir ein modernes Magazin für Frauen sind, haben wir mittlerweile mitbekommen, dass es auch Frauen gibt, die nicht Größe 32 haben. Dann machen wir das mal so. Wir stellen mal eine außerhalb der ,Norm‘ aufs Titelblatt aber das ist dann etwas Besonderes und bitte nicht „normal“! Als Untertitel fällt uns nix blitzgescheites ein. Hm. 2016 ist wohl eine echt geistreiche Begründung!“

ein frauenmagazin, das anders sein will

Aber – ich bin ja keine Unfrau und habe besagtem Magazin noch eine Chance gegeben. Weil ich auf Facebook vom Relaunch gelesen habe. Diätfreie Zone, kein Psychogefasel mehr, findiger Journalismus – das alles wurde mir versprochen.

Großmütig über den Fauxpas mit der dicken Frau in Orange hinwegsehend holte ich mir also die neue Ausgabe.

Diesmal auf dem Titelblatt: eine Frau, die so unretuschiert und natürlich wie möglich aussehen sollte, Schönheit und Fleischkonsum als Titelthemen. Recht nett und vielversprechend.

Und als ich die erste Seite, noch nicht mal mit Text, aufsschlug: Werbung. Gucci und Prada und wie sie nicht alle heißen. Krank aussehende Models mit Zahnstocherbeinen.

Okay, dachte ich mir, für die Werbung können die nix, müssen ja von etwas leben. Blätterte weiter. Ansprechende, informative Artikel. Keine einzige Modestrecke, kein Sujetfoto, keine Werbeanzeige mit einer Frau außerhalb des Schönheitsideales.

Dann habe ich mich erst richtig geärgert. Ein Magazin kann sich nicht aus der Verantwortung ziehen, indem es die Dicke aufs Titelblatt klatscht und so tut, als wäre es anders. 

wohin frau sieht, keine fällt aus der reihe

Ich will nicht mehr sehen, dass dicke Frauen etwas Besonderes, Exotisches, Extraordinäres sind. Ich will nicht mehr, dass ihr eure Loyalität überbetont und damit Kohle scheffelt. Ich kann lesen. Auch zwischen den Zeilen. Und ich kann Bilder sehen. Bilder, die den Text Lügen strafen. Und eine Menge anderer Frauen können das auch.

Ich will sie alle sehen:  dicke, dünne, große, kleine, alte, junge, behinderte, …,  Frauen.

In jedem Magazin.

Auf dem Titelblatt.

In jeder Modestrecke.

In den Artikeln.

In den Postings.

In der Werbung.

An die Frauenmagazine: Ändert das bitte, bevor euch der Zug vor der Nase davonfährt!

An die Frauenwelt: Lasst euch nicht verarschen und steigt ein!

 

 

Du willst nicht mehr so sein müssen, wie es die Medien diktieren? Dann lies hier weitere Beiträge zur pipapolitik!

 

 

 

 

foto: autorin

1 Kommentar zu “die quotendicke am titelblatt

  1. Pingback: She’s a lady: Hör auf, mich zu verarschen. - frauenmut

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