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Weltfrauentag 2018: Was wir Kärntner*innen tun können!

Wie feiern wir den Weltfrauentag in Kärnten? Eher zurückhaltend, hätte ich gesagt. Die einzige Aktivität, die ich über Jahre durchgängig beobachten konnte, war die Blumenverteilaktion diverser Parteien. Blumen sind schön und mich freut das. Nur, ich will viel mehr für uns Frauen. Vor allem in Kärnten sehe ich großen Handlungsbedarf. Nicht nur, was Verbesserungen für Frauen und Familien betrifft. Vielmehr finde ich, dass die chillige “Lei-lafn”-Mentalität längst durchbrochen gehört. 

Kärnten – i hob di gern!

Ich liebe meine Heimat Kärnten und ich wollte hier nie weg. Für mich hat Kärnten so viel Lebensqualität zu bieten: das Verhältnis Natur und Beton ist ausgewogen, wir haben eine gute Infrastruktur und die Leute hier sind so schön komod, wie wir gerne sagen. Für Leute, wie mich, die nicht unbedingt auf Parties rund um die Uhr und unendliche Shoppingmöglichkeiten stehen, ist Klagenfurt, die Hauptstadt Kärntens, der ideale Lebensmittelpunkt.

Wir hinken der Zeit noch etwas hinterher

Was man aber auch dazu sagen muss: Kärnten ist etwas anders. Einige Leute sind hier noch ziemlich rückschrittlich im Kopf. Ein gewisser Rassismus lässt sich nicht leugnen. Menschen, die eine nicht eindeutig österreichische Hautfarbe aufweisen, werden hier teilweise auf öffentlicher Straße beschimpft. Das Wort “Neger” wird hier bei uns vor allem von der älteren Generation fallweise noch ganz selbstverständlich verwendet. Aber auch die “Piefke” werden angefeindet, man bleibt eben lieber unter sich.

Was die LGBT-Szene betrifft, hat Klagenfurt für seine Größe sogar einiges zu bieten. Ein paar einschlägige Lokale und sogar eine Regenbogenparade! Das mag den ein oder die andere vielleicht verwundern, widerspricht das doch der traditionellen Mutter-Vater-Kind-Familie, für die sich diverse Politiker*innen und Fans immer so heftig aussprechen. Glaubt man Gerüchten, leb(t)en einige Politiker in Kärnten dieses traditionelle Familienkonzept aber auch nur zum Schein. Vielleicht kommt daher die Toleranz.

Im Arbeitsleben wird der ein oder andere sexistische oder rassistische Witz gerne weggelacht. Ein Herr Ingenieur ist dreimal so viel wert wie eine Frau Doktor. Und damit meine ich nicht die Frau vom Doktor, das wird hier auch noch oft verwechselt, sondern eine, die selbst promoviert hat. 

Die Rolle der Frau in Kärnten

Das Frauenbild – mein Lieblingsthema. Und hier schlagen wir die Brücke zum Weltfrauentag und dem “Fortschritt” in Kärnten. Es gibt hier Barbershops, die Frauen nicht betreten dürfen und in denen drüber diskutiert wird, ob das Wahlrecht für Frauen denn nötig sei. Das Servicepersonal im Café wird mit “Fräulein!” zum Tisch zitiert, die moderner Version ist “Chefin”. Gegendert wird hier höchstens auf der Uni oder wenns unbedingt sein muss im öffentlichen Bereich. Die Frauen hier sieht man gerne traditionell gekleidet, 24/7 im Dirndlkleid wäre wünschenswert. Frauen, die Kleinkinder haben und in Vollzeit berufstätig sind, werden kritisch beäugt. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass sie Rabenmutter seien oder sie es sich nicht leisten könnten, dass sie zu Hause bleibt. Im zweiten Fall kommt eher noch ein bisschen Verständnis auf. 

Das hört sich alles jetzt nach jammern und sudern an, zugegeben, das ist es auch ein bisschen. Nichtsdestotrotz ist diese Mentalität – lieber zu jammern als etwas zu ändern –  ja gerade einer der Auslöser, warum ich frauenmut überhaupt gegründet habe. 

Und jetzt ist wohl auch der Zeitpunkt endlich ein Geheimnis zu lüften! Nachdem ich Tage und Wochen damit verbrachte, mir den Kopf über einen passenden Namen für meinen Blog zu zerbrechen (zur Auswahl standen u. a. Planet Pipa und Hausherrin) stolperte ich irgendwann über das Kärntner Heimatlied. In der Schule mussten wir die erste und vierte Strophe auswendig lernen und die vierte (mit Bezug auf die Kärntner Volksabstimmung) lautet wie folgt:

“Wo Mannesmut und Frauentreu’ 
die Heimat sich erstritt aufs neu’,
wo man mit Blut die Grenze schrieb 
und frei in Not und Tod verblieb;
hell jubelnd klingt’s zur Bergeswand:
Das ist mein herrlich Heimatland!”

Und als ich über das Heimatlied sinnierte, ärgerte ich mich! Warum verdammt, besingen wir wieder das Klischee der mutigen Männer und der treuen, braven Frauen? Und was mich eigentlich noch viel mehr störte war, dass es zwar das Wort “Mannesmut” im Lexikon gab, wenn auch veraltet, das Wort “Frauenmut” aber nicht!

Da beschloss ich, selbst dafür zu sorgen, dass Google genauso das Wort “Frauenmut” ausspuckte! 

Es gibt viele Leute wie mich, die etwas verändern wollen und sich ein moderneres, toleranteres Kärnten wünschen. Da bleiben uns zwei Optionen: Wir verabschieden uns von diesem Wunsch und gehen fort von hier. Das ist einfach und manchmal auch sinnvoll. 

Oder wir fangen an, eine Veränderung selbst mitzugestalten, einschlägige Veranstaltungen zu besuchen und bei Projekten mitzumachen. 

Was du tun kannst, um etwas zu verändern (wenn du willst)

Ich will mich nicht mehr auf die Maßnahmen von Bundes- und Landesregierung verlassen und finde, jede/r Einzelne von uns kann etwas tun. Und dafür will ich den Weltfrauentag als Anlass nehmen! Was kannst du also konkret tun?

Informieren und eigene Meinung bilden

Am allerwichtigsten für uns Frauen, finde ich , dass wir uns ausreichend informieren und uns eine eigene Meinung bilden! Und bitte nicht auf Grundlage von Gratiszeitungen, Schmierblättern, Gesprächen am Stammtisch oder Kommentaren auf Facebook! Lass dir nicht einreden, dass du nicht kompetent genug bist, um mitzureden. Sei nicht ehrfürchtig und eingeschüchtert, wenn dir andere Menschen ihre  Meinung auf’s Aug’ drücken wollen! Informieren kannst du dich zum Beispiel bei mir auf dem Blog (Rubrik Gesellschaft, Politik & Kultur) oder bei Qualitätsmedien!

Deine/eure Regeln aufstellen

Es fängt für mich schon damit an, das Familien- oder Liebesleben nach den eigenen Regeln zu gestalten, vorausgesetzt, die Beziehung der Eltern geschieht auf Augenhöhe! Wenn du Vater bist, darfst du in Väterkarenz gehen. Wenn du Mutter bist, darfst du “schon” nach einem Jahr arbeiten gehen! Immer vorausgesetzt, dass das auch dein Wunsch ist! Und in beiden Fällen gilt, drauf zu pfeifen, was Familie, Freundeskreis und Verwandtschaft dazu sagen und das auch auszuhalten! Dass es die Rahmenbedingungen dazu manchmal gar nicht gibt oder unglaublich erschwert wird, gerade hier bei uns, ist mir allerdings klar. Aber wo es nur möglich ist, sollten wir es so gut wie möglich ausschöpfen!

Organisationen für Frauen unterstützen – nicht nur am Weltfrauentag

Wenn du bei Organisationen mithelfen willst, findest du hier auf der Website des Frauenreferates Kärnten eine Auswahl an Kärntner Einrichtungen für Frauen. Meist findest du schon auf der Website, wie du am besten helfen kannst.

Beim Frauenvolksbegehren mitmachen

Wenn du frauenpolitisch in Kärnten tätig werden willst, kannst du zum Beispiel beim Frauenvolksbegehren mithelfen und dich den Aktionistas* in Kärnten anschließen. Damit du am Laufenden bleibst, abonniere am besten den Newsletter des Frauenvolksbegehrens oder schreib mir kurz ein Mail (pipa[a]frauenmut.com).  Auch in allen anderen Bundesländern gibt es aktive Gruppen – dafür am besten den Newsletter abonnieren und/oder dem Frauenvolksbegehren auf Facebook folgen! Am wichtigsten ist natürlich, dass du das Frauenvolksbegehren unterschreibst! Wie du sonst noch helfen kannst, liest du hier.

Achtung: Am Weltfrauentag (8. März) selbst ist unsere Kärntner Gruppe ab zehn Uhr vor dem Rathaus am Neuen Platz zu finden und ich werde auch dabei sein! Wenn du auch vorbei schaust, freue ich mich sehr! 

An alle anderen! Ich wünsche euch einen schönen Weltfrauentag. Genießt ihn, denkt ein bisschen nach, wo wir hin wollen. Wir haben noch viel vor! 🙂 

8 Kommentare zu “Weltfrauentag 2018: Was wir Kärntner*innen tun können!

  1. Hallo Pipa, ich glaube, ich werde von dir gründlich missverstanden. Ich will dir nix ausreden oder madig machen, ich habe nur den Eindruck, dass du die Politik etwas zu romantisch siehst. Dort geht es nämlich nicht um die Stärkung von Bürgerrechten, sondern es ist die Interessenvertretung der Mächtigen.
    Als das mit dem Internet anfing, dachte ich, es wäre eine Chance für Veränderungen von unten. Aber auch im Netz kann nur das Pflänzchen wachsen, welches von der Politik gefördert wird. Wer nicht ins Konzept passt, wird medial gestakt. Das ist gängige Praxis bundesdeutscher Dienste.
    Meine Angst vor Veränderungen betrifft nicht die Frauen-Emanzipation, sondern dass die Politik den Bürger immer mehr zum Sklaven macht. Aus meiner Sicht deutet nicht viel auf positive Veränderungen. Gerade mit dem Internet sind die Kontrollmöglichkeiten des Staates fast grenzenlos, nichts kann der Bürger dagegen machen, und noch schlimmer, er beteiligt sich durch seine freiwillige Vernetzung aktiv daran.
    Natürlich brauchst du meinen Kommentar nicht veröffentlichen, es ist deine Seite, und da kannst du machen was du willst.

    • Also Robert, deine Kommentare werde ich immer freigeben und auch andere in dieser Richtung. Es muss ja auch möglich sein, Themen auf hohem Niveau zu diskutieren, auch völlig konträrer Meinung zu sein und ich glaube, das ist bei uns gut möglich! Mir ging es hauptsächlich darum, dass ich keine Grundsatzthemen mehr diskutieren möchte oder meine Aktivität rechtfertigen. Zurück zum Thema des Artikels bzw. deiner Position: Ich frage mich : Ja, aber was ist die Alternative? Nichts tun und zusehen und sich weiter die gute alte Zeit zurückwünschen – in der ICH nicht leben möchte. Oder was schlägst du vor?

      • Hallo Pipa, ich finde man muss schon ein wenig die Grundlagen diskutieren, ansonsten redet oder schreibt man aneinander vorbei. Und dazu gehört für mich die Fragestellung, warum ist das Matriarchat untergegangen?
        Aus meiner Sicht hängt das mit der Entstehung von Staaten zusammen. Diese sind vor allem die Organisationsform einer kriegerischen Gesellschaft. Der König ist oberste Kriegsherr. Und wie das Militär so wird auch die “Zivilgesellschaft“ hierarchisch, pyramidenförmig organisiert.
        Oben werden die Befehle erteilt, welche man aufgrund der staatlichen Strukturen effizient nach unten durchleiten kann. Dies entspricht dann auch dem patriarchischen Familienmodell.
        Aber ich glaube nicht, dass der Umbau vom Matriarchat zum Patriarchat bewusst erfolgte. Das Patriarchat, mit seiner einfachen Machtstruktur, ist wirtschaftlich produktiver, sowie in Krisen- und Kriegssituationen stabiler und eher geeignet das physische Überleben zu sichern.

        Aus meiner Sicht führt die heutige Frauen-Emanzipation nicht zur Rückkehr zum Matriarchat, sondern zur Polygamie. Es soll sich, mal platt gesprochen, nur noch der Platzhirsch vermehren.
        Statistisch gesehen haben Reiche die meisten Kinder. Der Mittelstand die wenigsten, weil Kinder das größte Armutsrisiko darstellen. Die Armen liegen so im Mittelfeld, weil es für sie aufgrund der Sozialhilfe egal ist, wie viele Kids sie sich leisten.
        Eine Idee für gesellschaftliche Verbesserungen habe ich nicht, außer dass man sich der Situation erst-mal bewusst werden muss, und dies soll ja schon der erste Schritt sein.

        • Gerade sowas langweilt mich zu Tode, weil es mir JETZT nicht passt wie es ist und ich nicht ewig in der Vergangenheit rumstochern möchte. Ich bin weder Historikerin noch Philosophin. Außerdem stellst du da eine These nach der anderen auf ohne einen Beleg anzuführen. Welches Matriarchat – wann? Wann abgelöst? Woran machst du fest, das das Patriarchat physisches Überleben sichert? Woher hast du die Statistiken mit dem Armutsrisiko? Wie lange sollten wir uns denn noch über irgendwas bewusst werden, bis wir endlich handeln? Und warum müssen wir immer über Matriarchat und Patriarchat rumdiskutieren und können nicht einfach mal sagen – hey, das und das finden wir scheiße und wollens ändern? Wer sagt denn, dass wir die Geschichte immer wieder wiederholen müssen? Und warum unterstellst du mir dauernd unterschwellig, ich würde ein Matriarchat (zurück-)wollen? Ich scheiß auf Hierarchien und so geartete Gesellschaftsstrukturen, ich will ein gutes Leben für alle Menschen! Also Robert, nochmal. Das hier ist nicht der geeignete Ort. Liefere mir praktische Ansätze und ich steig wieder ein!

          • Ich glaube unsere Diskussionsstile und Lösungsansätze sind einfach zu unterschiedlich, als dass ein weiterer Kommentar sinnvoll wäre.
            Deshalb verzichte ich auf die Ausführung, warum und weshalb ich zu meinen Ansichten gekommen bin und auf welchen Statistiken diese beruhen.
            Tschüß und alles Gute

          • Das stimmt! Dir auch, danke 🙂

  2. Hallo Pipa, nichts gegen dein Engagement, welches ich prinzipiell sehr lobenswert finde, aber für mich ist der Frauentag eine politische Showveranstaltung, so wie es früher in den kommunistischen Ostblockstaaten üblich war.
    Aus meiner Sicht existiert keine eigenständige, sich selbst tragende Emanzipations-Bewegung. Die Politik entscheidet in welchem Umfang Frauenrechte gewährt werden. Hier steht an erster Stelle die Nutzbarmachung ihrer Arbeitskraft und wohl auch die Absenkung der Gehälter der Männer. Letztendlich wird es für die Familien ein Nullsummenspiel, weil die Frau nun mitarbeiten muss.
    So ist es zumindest in Deutschland.

    • Ich weiß was du meinst und sehe das komplett gegensätzlich. Wäre ich der Meinung, dass wir uns der Politik gegenüber ergeben müssten, würde ich hier nicht schreiben. Wir haben im social web die Möglichkeit, eine öffentliche Meinung zu schaffen und Cyberpolitik zu betreiben. Vielleicht magst du dir dazu die Ansätze von Fiske ansehen. Die Veränderung von gesellschaftlichen Prozessen wird mehr und mehr von unten her möglich sein. Die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Aber nicht nur der Diskurs ändert sich, auch Lebenskonzepte sind im Wandel begriffen. Die Lösung kann es also nicht sein, die Mutter-Vater-Kind-Kind-Familie als Allheilmittel zu propagieren, in der er das Geld reinbringt und sie zu Hause (unentgeltlich) arbeitet. Wir müssen aufhören an diesem romantischen Konzept festzuhalten! Meine Mutter und meine Großmutter, die sich für die Familie aufgeopfert haben, wären jetzt von drastischer Altersarmut betroffen, wäre da nicht mein Vater. Außerdem sitzen wir alle der Lüge auf – und diese Postfakten werden munter weiter verbreitet – dieses traditionelle Familien-Konzept wäre naturgewollt. Naturgewollt wäre das Leben in einer Sippe, in der sich viele Menschen um die Kinder und Alten kümmern. Naturgewollt wäre es auch, dass sich Frauen nicht an Männer binden, sondern den Nachwuchs alleine großziehen, oder eben in der Sippe. Aber nun, wir entwickeln uns weiter. Und wir WOLLEN uns romantisch binden und haben uns dazu entschieden, in großteils monogamen Beziehungen zu leben. Ich finde, es ist an der Zeit, sich über Konzepte Gedanken zu machen, wie wir in Zukunft leben wollen und wie das auch (unter anderem vom Staat) finanziert werden kann! Das Gefühl, die Emanzipationsbewegung sei keine eigenständige, hatte ich lange Zeit auch. Doch was jetzt noch wie ein Fünkchen da, ein Funke dort, aussieht, entwickelt sich langsam zu einer treibenden Kraft. Robert, ich verstehe auch alle verunsicherten Menschen und Männer, die Angst haben, dass an der Tradition (die de facto ja erst wenige Jahre existiert) nun gerüttelt wird. Nur bin ich der festen Überzeugung, dass wir die Welt für alle Menschen besser machen können, denn ich sehe frauenpolitische Aktivitäten als gewinnbringend für alle Menschen an. Aber wie ich schon in einem der letzten Kommentare zu dir sagte, sehe ich es nicht als meine Aufgabe, für den Feminismus zu argumentieren und ich brauche mein Handeln niemandem gegenüber erklären. Das ist mir zu mühsam und ich brauche keine Überzeugungsarbeit zu leisten. Jede/r soll sich selbst seine Meinung bilden, für mich ist das in Ordnung. Ich möchte in den Kommentaren keine Grundsatzdiskussionen über Feminismus und Gleichberechtigung mehr führen, in meinen Artikeln bin ich ja immer sehr spezifisch und spreche ausschließlich von meinen Erfahrungen in meiner Welt.

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