leben & liebe

Werberat beschließt: Frau mit Schwanz ist nicht sexistisch!

Ich war bis vor kurzem ja froh, dass wir in Österreich einen Werberat haben. Dieser versteht sich als Organ zur Selbstregulierung der Werbewirtschaft und gibt Menschen die Möglichkeit, Werbung anonym zu melden. Auch darüber war ich froh. Denn wenn du als Feminist*in heutzutage was gegen den Sexismus sagst, kommt ja gleich irgendein Baumgartner-Verschnitt aus seinem Loch gekrochen und flennt rum, dass die Weiber ja nur mal wieder gescheit gev…, na ihr wisst schon.

Drum habe ich da also kürzlich etwas gemeldet, was mir sauer aufstieß und dachte, die Frau- und Herrschaften des Werberates würden sich wohl gut darum kümmern.

 

So weit, so gut! Wenige Tage später hatte ich eine ziemlich unbefriedigende Antwort im Mailpostfach:

 

Ich war fassungslos! 

Offener Brief an den österreichischen Werberat

 

Liebe Damen und Herren des Werberates und des Anti-Sexismus-Beirates,

am 23.03.2018 habe ich eine Beschwerde per Internet-Formular eingereicht. Konkret handelte es sich bei dem Objekt um Werbung auf den Bussen in Klagenfurt. Noch konkreter um eine weibliche, als Meerjungfrau inszenierte Person, mehr als lebensgroß, oben ohne, bloß mit einem Schild und den Händen vor der Brust.

Dass Sexismus immer auch subjektiv ist, will ich nicht abstreiten, aber diesmal ist der Fall so klar und Ihre Argumentation so schlampig und hanebüchen, dass sich sogar die Haare auf meinen Zähnen sträuben.

Nicht nur, dass die Frau so zu Tode retuschiert und sexualisiert wurde, dass sogar Arielle sie beneidet hätte. Die meisten Disney-Prinzessinnen sind nämlich ein bisschen doof. Aber wissen Sie, das ist wohl das geringste Übel.

Auch fällt es unter Allgemeinwissen, dass eine anständige Meerjungfrau wenigstens einen Muschel-BH tragen würde – zumindest behauptet das eine Freundin von mir steif und fest –  wenn sie in dieser Größe auf einem Bus mitfährt, mit dem auch täglich viele Schulkinder transportiert werden. Jetzt ganz ohne Slut Shaming – sie kann natürlich anziehen, was sie will. Das Outfit hat ihr aber wohl eher eine Marketingabteilung angezogen.

Sie schreiben des Weiteren, dass die Meerjungfrau als eine Symbolfigur dient und man sie mit „Wasser, Meer und Wohlbefinden“ in Verbindung bringt. Ich weiß nicht, ob sie es vielleicht übersehen haben, aber ich verrate Ihnen etwas: Das am Sujet stellt eine Frau dar, der ein Meerjungfrauenschwanz angezogen wurde und keine echte Meerjungfrau. Eine FRAU. Würde man Ihrer Logik folgen, wäre nämlich auch eine Frau im Stringtanga und Hasenohren eine Häsin und könnte locker Werbung für Osterschokolade für Kinder machen. Dass das Argument also ein bisschen schwach ist, merken Sie jetzt auch langsam, oder?

Ihre Begründung, dass man ja nicht einmal nackte Brüste sehen würde, ist für mich übrigens die Krönung! Erstens: Sehen Sie da irgendwo Stoff? Natürlich sind die Brüste nackt! Zweitens: Haben Sie in Ihrer Beurteilung nun die Gemeinschaftsstandards unseres berühmtesten sozialen Netzwerks übernommen? Nackte Brüste, nehmen wir als Beispiel eine stillende Mutter, müssen nicht immer sexistisch sein! Und genauso kann eine Frau sexualisiert dargestellt werden, die einen Rollkragenpullover und einen Schal von hier bis Oslo trägt! Es kommt auf den Kontext an! Muss ich Ihnen als Profis das ernsthaft erklären? Ehrlich jetzt?!

Der einzig, wirklich einzige glaubwürdige Grund für die Ablehnung der Beschwerde – und jetzt komme ich langsam zum Schluss – ist, dass die Frau einen Schwanz hat. Zumindest wäre das für mich viel logischer und einleuchtender als alle Gründe zusammen, die Sie angeführt haben. Für Sie ist das nicht logisch? Jetzt sehen Sie mal, wie es mir mit Ihrer Begründung geht.

Wissen Sie, ich habe mehr von Ihrem Urteilsvermögen gehalten. Heute denke ich, dass Sie Sexismus nicht einmal erkennen würden, wenn er im Meerjungfrauenschwanz auf Ihrem Konferenztisch auf und ab hüpfen würde. (Können Meerjungfrauen eigentlich hüpfen?) Ein Werberat, der zugunsten Sexismus entscheidet, fällt für mich in die gleiche Kategorie wie Blumen zum Frauentag und Pralinen zum Valentinstag: Lieb gemeint, hilft aber wenig weiter. Oder – Achtung es folgt eine Symbolfigur –  Für die Fisch‘!

Mit freundlichen Grüßen

Pipa

4 Kommentare zu “Werberat beschließt: Frau mit Schwanz ist nicht sexistisch!

  1. Also ich verstehs einfach nicht. Geht es darum, dass Werbung mit nackten Frauen generell sexistisch ist?

    Ich freue mich über jede Antwort, die versucht mir das irgendwie näher zu bringen.

    Danke

  2. Ich finde Ihre Art zu schreiben äußerst ansprechend. Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Frau weder Kleidung trägt noch warum es sich (wieder einmal) um eine Frau handeln muss, die noch dazu Ihre Brüste mit den Händen bedeckt. Entweder es ist ihr gleichgültig, dass sie nackt auf Bussen abgebildet wird, dann sollte sie das auch zeigen (ich bitte aber aufgrund ethischen Hintergründen und Verantwortung Kindern und Jugendlichen sowie den Menschen die sich für gender einsetzen das nicht zu tun) oder aber, wenn sie sich bedeckt zeigen will bitte etwas anziehen. Ob Muschel bh, Kokosnuss oder von mir aus in Klopapier einwickeln. Warum werden keine süßen geschlechtsneutralen Fische oder seesterne abgebildet, vermutlich würden sie noch natürlicher aussehen als diese „Frau“ auch wenn sie 10 Augen hätten.

    • Die Frau ist ja “nur” ein Model, besser gesagt, wie meine Recherchen im Nachhinein ergeben haben, eine Ex Miss Austria. Es gibt Frauen, die ziehen sich für Geld aus und das verurteile ich auch nicht, ist ja auch nur ein Job. Dass so eine sexistische Werbung allerdings erlaubt ist bzw. der Werberat das nicht einmal als sexistisch erachtet, finde ich ist ein richtiges Armutszeugnis für unsere Gesellschaft. Aber mei. Es dauert ja nur noch 170 Jahre bis sich sowas aufhört …

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